Für das Feld der Bauforschung gibt es verschiedene Zugänge. Auf der einen Seite kann geschichtliche Forschung auf der Ebene der Architektur- und Kunstwissenschaft betrieben werden, im Idealfall mit Einblicken hinter die Fassade von formalen Erscheinungen, in die Tiefe der Bedingungen konstruktiver Wirklichkeiten bis hin zu den Wechselwirkungen von bautechnischem Fortschritt und architektonischer Entwicklung. Teilweise sind auf diesem Feld bereits hervorragende Beschreibungen zum Verhältnis von Konstruktionen, Materialien und ihrer architektonischen Wirkung entstanden.
Auf der anderen Seite befindet sich der technisch motivierte Forschungsansatz, bei dem etwa Material- und Produktionstechnik – begleitet von Parametern in Bauphysik und Bauchemie – im Vordergrund stehen. Diese zeitgenössische und auf die Zukunft ausgerichtete Bauforschung ist vor allem produkteorientiert. Beton, Holz, Glas, Kunststoffe etc. stehen im Fokus des Neuen. Unserer Haltung nach sind den das Bauen revolutionierenden Methoden jedoch erstaunlich enge Grenzen gesetzt, zumindest im Hinblick auf eine verbreitete und sinnvolle Anwendung. Dieser Haltung kann selbstverständlich widersprochen werden, wir allerdings halten es da durchaus mit dem italienischen Architekten Aldo Rossi (1931 – 1997), der meinte, dass in der Architektur sehr wenige Erfindungen gemacht worden seien.

Vor diesem Hintergrund interessiert es uns, eine Verbindung zwischen historischer und technischer Forschung herzustellen. Beschäftigt man sich z.B. mit der einschlägigen Literatur zur Erforschung von historischen Konstruktionsweisen, so stößt man immer wieder auf dieselbe seltsame Lücke, auf ein eigentliches „missing link“ zwischen architektur- und konstruktionsgeschichtlicher Beschreibung auf der einen und der ganz konkreten Machart des Baus auf der andern Seite. Im Wissen, dass erst die letzte Genauigkeit in Bauweise und Material für die architektonische Wirkung verantwortlich ist, ist die Herstellung dieser Verbindung zwingend notwendig. Erst so kann die Erforschung von Bestehendem auch einen Niederschlag im Zukünftigen finden.

Als Hochbauinstitut mit dem Anspruch, die architektonische Wirkung und die Bautechnik in dauernder Wechselwirkung zu begreifen, forschen wir an dieser Grenzlinie zwischen technischen und ästhetischen Werten. Nicht das „Erfinden“ ist das Credo, sondern das Wiederfinden und Neuinterpretieren im Sinne der Erzeugung von architektonischem Ausdruck.