Nahe Ferne: Sakrale Aspekte in der Architektur im Prisma der gegenwärtigen Profanbauten


Ivica Brnic, Univ.Ass. Dipl.-Arch. Dr.techn.
Betreuer: Thomas Hasler, Univ.Prof. Dr.sc.techn


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Die Sakralarchitektur hat in den vergangenen Jahrhunderten bis hin zur funktionalen Differenzierung der neuzeitlichen Säkularisierung die Höchste der architektonischen Gattungen dargestellt und in sich alle anderen Künste vereint. In einer vorwiegend säkularisierten Kultur hat sich dieses Verhältnis radikal verändert. Es stellt sich dennoch die Frage, inwiefern die in der Sakralarchitektur hervorgebrachte architektonische Qualität immer noch von Bedeutung ist.

Die vorliegende Forschung geht vorerst der Frage nach, ob das Sakrale in der Architektur eine gattungsübergreifende, phänomenologische Eigenschaft ist, die sich auch jenseits des Sakralbaus bzw. in der profanen Architektur entfalten kann. Berücksichtig werden dabei auch die neueren Untersuchungen zur Wahrnehmung aus der Kognitionswissenschaft und die Embodiment-These.

Die sakralen Aspekte der Architektur werden erörtert und definiert, sodass sie als greifbare Eigenschaften der architektonischen Schaffung in der Reihe von materiellen, konstruktiven, funktionalen oder räumlichen Qualitäten besprochen werden können. Diese Eigenschaften werden auf ihre physischen, phänomenologischen und transzendenten Essenzen hin betrachtet.

Nach einem begrifflichen und historischen Überblick wird durch die theoretische Auseinandersetzung von Rudolf Schwarz die Beziehung zwischen dem Sakralen und der modernen Architektur verfolgt. Anschließend wird die Kontinuität jener historisch intensiven Beziehung in der Gegenwart anhand jeweils eines profanen Baus von Louis Kahn, Tadao Ando und Peter Zumthor in einer säkularisierten, nachmodernen Kultur reflektiert.

Stichworte: Architektur, Sakral, Profan, Heilig, Sakralbau, Aussonderung, Raum, sakrale Dimension, Jenseits, Transzendenz, Moderne, Abstraktion, räumliche Entfremdung, Leere, Nichts, Anwesenheit, Abwesenheit, Präsenz, Phänomenologie, Einfühlung, Embodiment, Maßstab, Maßstabsanalogie, Gebrauchsmaßstab, Unermesslichkeit, Säkularisierung, Postsäkular, Rudolf Schwarz, Louis Kahn, Tadao Ando, Peter Zumthor, Romano Guardini, Mircea Eliade, Thomas Hasler