Raum als Resonanzkörper von Mensch und Materie Konstruktiver Ausdruck einer Wechselwirkung
Dissertant: Manuel Kainz
Betreuer: Ivica Brnić

Foto: Iwan Meckler
Architektur ist stets ein Akt der Materialisierung, in dem das Stoffliche zum Bedeutungsträger wird. Diese Zusammenkunft von Materialeigenschaften und menschlicher Absicht spannt ein Feld auf, das architektonisches Denken strukturiert: zwischen der physischen Eigenständigkeit des Materials und den gedanklichen wie technologischen Möglichkeiten des Entwerfens.
Vor dem Hintergrund eines sich wandelnden Architekturdiskurses – geprägt von Fragen der Materialsuffizienz, der Wiederverwendung von Bauteilen und einer zunehmenden Automatisierung des Bauens – stellt sich die Frage, wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Material unter diesen Bedingungen wandelt. Ausgangspunkt der Beschäftigung ist der Resonanzbegriff nach Hartmut Rosa: die Vorstellung, dass gelingende Weltbeziehungen aus einem wechselseitigen In-Beziehung-Treten von Subjekt und Welt entstehen. Übertragen auf die Architektur wird gefragt, wie sich solche resonanten Verhältnisse zwischen Mensch und Materie herstellen – nicht als abstrakte Eigenschaft von Räumen, sondern als etwas, das sich an konkreten Zusammenkünften von Menschen, Materialien und Konstruktionen festmachen lässt.
Die Auseinandersetzung folgt einem Prozessdenken, das Architektur als eine Kette aufeinanderfolgender Zusammenkünfte begreift: die gedachte Zusammenkunft im Entwurf, in dem Mensch eine Wirklichkeit zunächst im Kopf entwirft; die menschliche Zusammenkunft der am Projekt Beteiligten, die gemeinsam denken, noch bevor etwas Bauliches entsteht; die materielle Zusammenkunft, in der Materialien zu Bauteilen und Bauteile zu Konstruktion und Raum werden; sowie die rezeptive Zusammenkunft zwischen Mensch und fertiger Architektur. Als exemplarischer Ankerpunkt dieser Kette dient die Untersuchung einzelner konstruktiver Details – etwa des Stützenquerschnitts als konzentriertem Punkt im Plan, an dem sich eine materialgeschichtliche Genealogie von gewachsener Monolithik bis zu synthetischer Hybridisierung ablesen lässt.
