Umbaugenerationen – sequenzielle Lesart eines entwerferischen Umgangs mit Bestand

Dissertantin: Katharina Paschburg
Betreuung: Astrid Staufer mit Lorenzo De Chiffre

Karljosef Schattner, Umbau Altes Waisenhaus zum Institutsgebäude, Eichstätt, 1985–1988. Analysezeichnung Axonometrie: Studierende Yana Kletsko und Paul Knab, Entwurfsstudio ‚Transformation Zementterminal‘, Betreuung Katharina Paschburg, Technische Universität Wien, 2023

Eine mehrschichtige Annäherung an die Komplexität der Transformation

Der Umbau ist als gestaltender Prozess der Adaption zu verstehen. Aus Bestehendem schafft er ein neues Werk. Die Dissertation behandelt den damit einhergehende entwerferischen Zugang zum Bestand und die entwurflichen Vorgehensweisen in der Transformation.

Jeder Umbau ist zunächst einmal ein einmaliges Werk. Von Fall zu Fall richtet sich der Eingriff nach den spezifischen Gegebenheiten des Bestands und seiner zukünftigen Bestimmung. Dennoch lassen sich gewisse wiederkehrende Muster erkennen: Umbauten entstehen meist als Reaktion veränderte Rahmenbe-dingungen. Ein obsoleter Bestand, unklare Funktionen oder soziale, politische oder wirtschaftliche Kon-flikte bilden Faktoren für eine Transformation. In Zeiten von Krisen verdichtet sich diesen Voraussetzun-gen. Die Krisensituation ruft einem veränderten Kontext hervor, auf welchen die Transformation dann als mehr oder weniger direkte Reaktion verstanden werden kann. Auch das aktuelle Interesse am Umbau als Antwort auf die Klimakrise verdeutlicht dies.

Neben den heutigen Herausforderungen zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit, dass auch frühere Krisen neue Wege im Umgang mit dem bebauten Bestand angestoßen haben – etwa nach den Zerstörun-gen des Zweiten Weltkriegs mit resultierenden Umbauten ab den 1950er Jahren oder während der wirt-schaftlichen Unsicherheiten infolge der Ölkrisen ab den 1980er Jahren. Die Krisen gelten als Ordnungsprinzip anhand derer drei Generationen gegliedert werden. Im Zentrum der Arbeit stehen dabei Fragen zum entwerferischen Umgang mit dem Bestand im Kontext der jeweiligen Umbaugeneration. Die Krise wird hier als Katalysator für neue architektonische Strategien betrachtet. 

Die Generationen zeigen, dass das einzelne Werk – so individuell der Eingriff auch ist – auch Teil einer übergeordneten und wiederkehrenden Bedingungsstruktur ist. Ausgehend von der Untersuchung dieser Umbaugenerationen, soll die Transformation im mehrschichtigen Netzwerk seiner Gegebenheiten gelesen werden. Neben einer generationenspezifischen Einordnung wird das Zusammenwirken mehrerer zeitli-cher Ebenen als fortwährender Dialog zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft betrachtet. Über diese zeitliche Bestimmungsstruktur hinaus wirken auch räumliche, soziale, typologische und konstrukti-ver Faktoren im Umbau ein. Zusammen bilden sie ein dichtes Netzwerk an Bedingungsstrukturen, die eine mehrschichtige Annäherung an die Komplexität des Umbaus erlauben.