Ortlehm im mehrgeschossigen Holzbau – Potenziale, Bedingungen und Grenzen in der Ausführung mittels Feldfabrik

Dissertant: Jakobus Schwarz
Betreuer: Juri Troy / Andrea Rieger-Jandl

Im Jahr 2021 fielen in Österreich rund 77,38 Millionen Tonnen Abfall an, davon etwa 60% als Aushubmaterialien, vorwiegend bestehend aus Fels und Erdreich, die im Zuge von Infrastruktur- und Hochbauprojekten anfallen. Angesichts der wachsenden Bedeutung von Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft stellt sich die Frage, inwieweit diese jährlichen 46,43 Millionen Tonnen bereits als Baustoffe im Sinne nachhaltigen Bauens genutzt werden.

Vor dem Hintergrund aktueller Diskussionen über geeignete Forschungsmethoden in der Architekturforschung, insbesondere im Umgang mit transdisziplinären, materialbasierten oder prozessorientierten Fragestellungen, zielt dieses Dissertationsprojekt darauf ab, das Potenzial von Ortlehm als ressourcenschonendes Baumaterial empirisch und modellhaft zu untersuchen. Insbesondere in Wien finden sich im Bodenaushub hohe lehmhaltige Anteile, jedoch wird Aushublehm als Baumaterial in der Baupraxis bisher nur marginal ausgeschöpft. Ziel der Dissertation ist es, die Rahmenbedingungen zu ermitteln, unter denen der Einsatz von Ortlehm im mehrgeschossigen Holzbau ökologisch und technisch sinnvoll, sowie wirtschaftlich und organisatorisch umsetzbar ist. Dabei steht insbesondere die Reduktion des CO2-Fußabdrucks im Fokus – sowohl im Vergleich zur herkömmlichen Materialproduktion als auch hinsichtlich der Transportlogistik.

Methodisch wird ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt: Nach einer eingehenden systematischen Literaturmapping werden neben leitfadengestützten Interviews mit Expert*innen aus Planung, Produktion und Ausführung in einem zweiten Schritt mehrere Fallstudien analysiert, bei denen Ortlehm mithilfe mobiler Feldfabriken zu Lehmbauteilen (bspw. Stampflehmwände) oder Holz-Lehmhybridbauteilen (bspw. Deckenelemente) verarbeitet wurde, um in Holz-Hybridgebäuden verwendet zu werden. Darauf aufbauend dienen die daraus ermittelten ausschlaggebenden Faktoren für die Anwendung dieser Praxis nun zur Modellierung eines theoretischen Ortlehm-Feldfabrik-Modells am Beispiel einer Quartiersentwicklung. In einem vierten Schritt wird dieses Modell mit konventionellen Produktion im Werk hinsichtlich ökologischer, technischer und organisatorischer Parameter verglichen.

Hiermit sollen die Antworten auf die Forschungsfrage identifiziert werden: unter welchen ökologischen, technischen, regulatorischen, ökonomischen und organisatorischen Bedingungen Ortlehm im modernen mehrgeschossigen Holzbau in Österreich effizient eingesetzt werden kann.